Chronik (1938-1949)

Chronik (1938-1949)

Im folgenden Jahr stellte sich Josef Kreuder nochmals als Prinz zur Verfügung; man konnte wohl keinen besseren finden, vielleicht hatte er aber auch selbst einen unbezähmbaren Spaß an der Freud bekommen. Der Karnevalszug entsprach wieder höchsten Erwartungen. Prinz Jupp I. thronte diesmal in einem hohen Blumenkelch, und das Motto “Wat et nit all jibt” gab den Wagenbauern freie Hand, Begebenheiten des Zeitgeschehens darzustellen (das Ungeheuer von Loch Ness, den die Welt umspannenden Rußki, Turner am Riesenreck, einen ganzen Zirkus, von einer Dampfwalze gezogen, mit Raubtierkäfigen, Dressuren, Clowns u.a.m.).

Da aller guten Dinge drei sind, wurde auch 1939 ein Zug gestartet. Prinz war als Jupp II. Josef Esser, der alle seine hohen Pflichten vorbildlich erfüllte. Das Motto des Karnevalszuges, “Volkslieder”, bot den Vereinen für ihre Wagen eine reiche Auswahl. Die Schützen und Jäger wählten, “Im Wald und auf der Heide”, der Tennisklub “Fern im Süd das schöne Spanien”, auch die alte Stadthymne war mit “Schörreskaar” vertreten. Ein Kegelclub stellte den vielbeachteten, kunstvoll ausgestatteten Wagen “Kornblumenblau” und hatte Mühe, sich dieser Farbe anzupassen. Der Elferrat saß natürlich “Im Krug zum grünen Kranze”. Ein Wort des Dankes und der Anerkennung gebührt abschließend noch Karl Terasky, der alle drei Prinzenwagen nach eigenen Entwürfen hatte bauen lassen; auch das Motto des zweiten Zuges und seine Ausführung durch Wagen mit meist riesenhaften Gestalten waren sein Werk.

Der 2. Weltkrieg (1939/45) und die entbehrungsreiche Nachkriegszeit brachten auf Jahre hinaus andere Sorgen, als an eine Feier des Karnevals zu denken. Das einst blühende Städtchen Heinsberg wurde am 16.11.1944 durch Bomben restlos zerstört. Die nach und nach aus der Evakuierung heimkehrenden Einwohner standen vor einem einzigen wüsten Trümmerhaufen; aber ihr Lebenswille blieb ungebrochen. Bald war ein Volk von Bauleuten an der Arbeit und schuf sich mit zähem Fleiß zunächst notdürftige Unterkünfte.

Der erstaunliche Fortschritt des Wiederaufbaus und die neuerwachte bürgerliche Eintracht ließen allmählich auch die Lebensfreude wieder wieder zu ihrem Recht kommen, und einige Unentwegte brachten es sogar fertig, auch den H.K.V. zu neuem Leben zu erwecken. Da Heinsberg noch keinen Saal hatte, wurden die Sitzungen 1948/49 in dem mit eigenen Kräften hergerichteten und ausgeschmückten Kinosaal in Schafhausen durchgeführt. Die begeisterten Teilnehmer, mit Postbussen hin- und zurück befördert, empfanden nach allem Leid und Elend das befreiende Lachen als wahre Wohltat.