Chronik (1950-1958)

Chronik (1950-1958)

In den folgenden Jahren (1950 /55) fanden die Sitzungen in der neu errichteten Tanzdiele “Im Huck” oder in den Restaurationsräumen der wiederaufgebauten Hotels Keller (Claßen) und Corsten statt. Zweimal wurden in dieser Zeit auch Prinzen gekürt: Willi I. (Debiel) und Willi II. (Giesen); beide verstanden es meisterhaft, das schon zur Tradition gewordene Programm (Übergabe des Schlüssels der Stadt im Rathaus, Empfang beim Prinzen, Kinderfest und Prinzenball) zu stimmungsvollen, frohen Festlichkeiten zu gestalten. Zweimal zogen auch aus besonderem Anlass wieder Karnevalszüge durch die Straßen der Stadt. Der erste 1953 unter dem Zepter des Prinzen Willi III. (Fröhlich) war dem 40-jährigen Bestehen des H.K.V. gewidmet und bot unter dem Motto “Nu komme wir” so prächtige Wagen, dass das Fernsehen Aufnahmen machte und in der Wochenschau zeigte; der zweite 1956 bildete den glanzvollen Auftakt zur Feier des 700-jährigen Stadt-Jubiläums. Prinz Heinrich II. (Rosskamp), umjubelt von seinen närrischen Untertanen, schwang auf hohem Thron den silbernen Hammer und verteilte seinen süßen Segen, von seinen Töchtern als reizenden Pagen immer wieder mit neuer Bonbonmunition versehen.

Unter dem Motto “Heinsberg 700 Jahre Stadt” zeigte der Zug historische Bauten aus der Zeit des mächtigen und reichen Geschlechts der Herren von Heinsberg (Burg mit Rittern, Knappen und Burgfräulein, Wehrtürme, Schanzwerke und Stadttore), aber auch lustige Begebenheiten und stadtbekannte Originale der guten alten Zeit.

Im gleichen Jahre 1956 wurde die neuerbaute Stadthalle ihrer Bestimmung übergeben. Der H.K.V. hatte nun einen geräumigen Saal und eine große Bühne, um seinen Sitzungen auch einen äußeren prunkvollen Rahmen zu verleihen. Hier muss nun einer Entwicklung gedacht werden, die eine neue Zeit im Leben und Wirken der Karnevalsvereine heraufführte. Wie allerwärts, waren nach dem 2. Weltkrieg auch im Umkreis von Heinsberg neue Karnevalsgesellschaften gegründet worden, so in Birgden, Dremmen, Kirchhoven und Haaren. Ihre Präsidenten waren durchweg Mitglieder des H.K.V. oder ihm eng befreundet. So hat man wohl nicht mit Unrecht den H.K.V. ihren Lehrmeister genannt; noch deutlicher drückte es der neue Oberkreisdirektor in der Gala-Sitzung aus mit den Worten: “Heinsberg ist nicht nur eine Hochburg des Karnevals, es ist die Karnevals-Universität des Großkreises.”

Bald jedoch bekam der Lehrmeister seine eigenen Sorgen. Zwar unterstützten ihn wirksam die befreundeten Nachbargesellschaften, deren Präsidenten meist auch tüchtige Büttenredner waren (Wirtz, Schmitz, Landmesser, Kirchner), auch standen ihm der Präsident des 1956 gegründeten “Verbandes der Karnevalsvereine Aachener Grenzlandkreise”, Heinz Wacker, mit seinen “Au Ülle” – Würselen und dem reizenden Tanzmariechen Elli oder als Vermittler anderer Kräfte stets hilfreich zur Seite. Und doch wirkte sich der Mangel an eigenen Büttenredner immer hemmender aus. Da nur ein Fanfarenkorps vorhanden war, mussten auswärtige Garden mit Mariechen, Ballett- und Tanzgruppen herangezogen werden, besonders aber zugkräftige Parodisten und namhafte Büttenredner, die meist die Runde durch mehrere Gesellschaften machten. Alle diese Verpflichtungen, wozu noch die hochgekletterten üblichen Ausgaben für Festlichkeiten kamen, nahmen die Vereinskasse mehr in Anspruch, als ihr gut tat. Der Stand der zahlenden Mitglieder mußte ebenfalls überprüft und vor allem bedeutend erweitert werden. Hier konnte nur eine “Reform an Haupt und Gliedern” Abhilfe schaffen.