Chronik

Der Heinsberger Karnevalsverein von 1913 bis 1973

Die nachfolgende Chronik wurde aus den Erinnerungen verschiedener Personen und aus schriftlichen Aufzeichnungen, teilweise unbekannter Autoren erstellt. Jeder Abschnitt ist aus der Sicht des damaligen Verfassers wiedergegeben. Die Lebensumstände eines Autors prägten sowohl den Menschen wie auch sein Handeln, im alltäglichen Leben und auch im Vereinsgeschehen. Damit sich die Chronik vollends erschließt, versetzen Sie sich bitte beim Lesen in die Zeit des Geschehens.

Um den Lesefluss zu verbessern, sind die Kapitel überarbeitet worden. Dabei ist größte Sorgfalt auf die Wiedergabe der Inhalte gelegt worden.

Der “Heinsberger Karnevalsverein” (H.K.V.) verdankt seine Entstehung dem “Bürgerverein” (BV). Neben der “Erholung” war zur Jahrhundertwende der BV Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Stadt Heinsberg. Langjähriger Präsident des BV war damals P. J. Florack, ein lebensbejahender, heiterer Mensch. Als er aus altersgründen zurücktrat, folgte ihm Rudolf Berens, der neues Leben in den Verein brachte. Selbst mit urwüchsigem Humor begabt, war er in der Karnevalszeit der rechte Mann zur Veranstaltung und Leitung von Bunten-Abenden, mit denen der BV damals erstmalig an die Öffentlichkeit trat; sie entwickelten sich hernach zu echten karnevalistischen Sitzungen.

Der 1. Weltkrieg und die Zeit der Besatzung machten für lange Jahre der Feier des Karnevals ein Ende. Nach Abzug der belgischen Soldaten aber regte sich in Heinsberg sofort auch wieder das Verlangen nach einer Feier des alten Volksbrauchtums, und der BV nahm 1924 seine Tätigkeit wieder auf. Präsident wurde Dr. Josef Meyers, der bis 1927 sein Amt zur vollsten Zufriedenheit führte; ihm folgte für ein Jahr Theo Finken. In dieser Zeit wurden meist zwei Sitzungen im Saale Claßen abgehalten, die dem Verein stets ein volles Haus und reichen Beifall brachten. Im Jahr 1929 wählte der BV Hubert Wimmers, genannt “Stibbi”, zu seinem Präsidenten, der drei Jahrzehnte lang das karnevalistische Geschehen in der Stadt Heinsberg bestimmen sollte.
Nach 23-jähriger Unterbrechung zog 1937 zum ersten Male wieder ein Karnevalszug, sorgfältig vorbereitet und bestens organisiert, durch die Stadt. Dicht gedrängt säumten die staunenden Zuschauer, auch von weither herbeigeeilt die Straßen. Das Prunkstück war der von vier Rossen gezogene Prinzenwagen. In neuem Kostüm mit dem Heinsberger Wappen stand auf hoher Freitreppe vor seinem goldenen, baldachinüberdachten Thronsessel Prinz Jupp I. (JosefKreuder) und schwang den silbernen Hammer, das Zeichen seiner Macht. Dem Motto “Heinsberger Zukunft” entsprechend, zeigten die von Vereinen und Klubs gestellten Wagen ersehnte, aber kaum zu erfüllende Wünsche zur Bereicherung des Stadtbildes (Burgcafé, Opernhaus, Garnison, Straßenbahn u.a.). Über Stadt und Kreis hinaus hatte der prächtige Zug bewunderte Anerkennung gefunden, und der Rundfunk nannte in seinem Bericht über Rosenmontagszüge Heinsberg gleich nach den Hochburgen, Köln, Düsseldorf und Aachen.